Franz Heinzer mit seiner Gold-Medaille. Bild: Iris Heinzer

Der Rickenbächler Franz Heinzer (58) ist seit dem WM-Gold von Corinne Suter nicht mehr der einzige Abfahrtsweltmeister in der Region.

Mit Franz Heinzer sprach Robert Betschart, Bote der Urschweiz

Franz Heinzer, ein paar Wochen sind seit dem WM-Gold von Corinne Suter vergangen. Sie sind nicht mehr der einzige Abfahrtsweltmeister im Talkessel. Was sagen Sie dazu?

Ja, damit habe ich keine Mühe, sondern freue mich für Corinne, dass sie auch bei der WM ihr Leistungsmaximum abrufen konnte und verdient den Weltmeistertitel gewonnen hat.

Wie haben Sie die Abfahrt von Corinne Suter an der WM miterlebt?

Da wir zu dieser Zeit gerade keine Europacuprennen hatten, konnte ich dieses spannende Rennen und den perfekten WM-Abfahrtslauf von Corinne in aller Ruhe im Fernsehen mitverfolgen.

Kamen bei Ihnen gleich Erinnerungen an Ihren eigenen WM-Titel 1991 in Saalbach hoch?

Ja, ich erinnerte mich an meine nicht optimale Fahrt im oberen Teil der WM-Abfahrt mit 0,4 Sekunden Rückstand, die ich zum Glück bis ins Ziel mit viel Risiko noch aufholen konnte. Corinne hingegen hat über die ganze Strecke brilliert.

An was erinnern Sie sich als Erstes, wenn Sie an Saalbach zurückdenken?

An meine Zieldurchfahrt. Ich trug die Nummer 7, und es leuchtete die Bestzeit auf. Ich dachte mir gleich: Hoffentlich lande ich nicht wieder auf dem undankbaren vierten Platz. Es wäre das vierte Mal an einer Weltmeisterschaft gewesen. Aber dazu kam es ja zum Glück nicht. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die riesigen Menschenmassen mit 50  000 Zuschauern und natürlich an meinen Fanclub.

Wie hat das WM-Gold Ihr Leben verändert?

Der WM-Titel hat meinen Bekanntheitsgrad auf eine höhere Stufe gebracht, obwohl ich schon vorher einige Weltcupsiege feiern konnte. Meine Freude und die Motivation, weiterhin Spitzenresultate im Skirennsport zu erzielen, ist nach dem WM-Titel nochmals gestiegen.

«Schweizer Illustrierte», «GlücksPost», allerhand für Zeitschriften und TV-Anfragen kamen danach auf Sie zu. Wie war das?

Ja, das ist so, es kamen viele Anfragen. Die Medienarbeit gehört aber dazu, und ich habe es grösstenteils als angenehm empfunden. Natürlich muss man in dieser Situation auch mal Nein sagen können, damit es nicht zu viel wird. Aber schliesslich geht es ja auch darum, unseren schönen Skirennsport den interessierten Leuten gut und richtig zu vermitteln.

Heute haben viele erfolgreiche Fahrerinnen und Fahrer einen persönlichen Medienagenten. Wie sah das bei Ihnen aus?

Ich glaube, es stand uns schon damals jemand von Swiss-Ski zur Seite und half uns, mit den Medienanfragen umzugehen. Aber es war alles unkomplizierter und natürlich noch lange nicht so organisiert wie heute. Einen persönlichen Agenten hatte ich nicht. Das ganze Medienumfeld hat sich in den letzten 30 Jahren allerdings extrem gewandelt. Insbesondere mit den sozialen Medien. Heute müssen die Athletinnen und Athleten auch dort präsent sein.

Auf was muss sich nun Corinne Suter einstellen?

Ich denke, der WM-Titel hat Corinne Suter noch bekannter gemacht und sie auf ein neues Level gehoben. Aber da sie sich jetzt schon zwei Jahre mit WM-Medaillen und Weltcupsiegen an der Weltspitze befindet, kann sie sich selber sehr gut einschätzen und weiss mit dieser Begebenheit umzugehen.

Haben Sie einen Tipp für Corinne Suter, wie sie den ganzen Rummel meistern kann?

Versuchen, das Ganze so gelassen wie möglich anzugehen und eben auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Schliesslich erwartet sie von sich selbst weiterhin gute Resultate. Und auch das gesamte Umfeld und die Fans erhoffen diese. Dementsprechend wird sie auch nach diesem WM-Titel wieder ihre Erfolgsspur aufnehmen und weiter hart trainieren müssen.

Momentan kann man ja wegen Corona kein grosses Fest feiern. Wie war das damals bei Ihnen?

Zu meiner Zeit durfte ich gleich mehrere Siegesfeiern erleben. Zuerst gleich nach dem Sieg in Saalbach mit dem Betreuerstab, den Serviceleuten und den Mannschaftskollegen. Weiter ging es mit dem Fanclub und natürlich mit dem grossartigen Empfang auf dem Hauptplatz in Schwyz zusammen mit dem Skiclub Schwyz und allen Freunden, Fans und Bekannten.

Haben Sie damals nach der Saison 1990/91, als Sie WM-Gold und dazu noch den Abfahrts- und Super-G-Weltcup gewannen, beim Feiern auch mal einen über den Durst getrunken, oder war das für Sie tabu?

Damals musste ich nicht schon in den folgenden Tagen wieder ein Rennen bestreiten. Also kann und muss ein Sportler oder eine Sportlerin auch mal einen Sieg geniessen, etwas feiern, abschalten und Distanz zu der ganzen Sache gewinnen können. Wenn ich also manchmal auch etwas über die Stränge geschlagen habe, habe ich später halt einfach wieder umso härter trainiert.

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