Der Österreicher Karl Frehsner war schon an über zehn Universiaden dabei. Bild Erhard Gick

Skitrainer-Legende Karl Frehsner (82) betreut seit Jahren die Schweizer Alpinen an Universiaden. Er freut sich auf die Rennen im Stoos.

Karl Frehsner ist gebürtiger Steirer und war selbst in jungen Jahren aktiver Fahrer im B-Kader des österreichischen Skiteams. Lange Jahre arbeitete er als Skibauer bei Skiherstellern und engagierte sich nebenher als Skitrainer. Bekannt wurde er als Trainer bei der Schweizer alpinen Herren-Nationalmannschaft 1978–1991 und 2003–2004. Frehsner war aber auch FIS-Renndirektor. Vier Jahre Trainertätigkeit im Motorrennsportteam von Sauber und fünf Jahre bei den österreichischen alpinen Damen rundeten seine Trainerlaufbahn ab.

Auch im Pensionsalter ist er noch immer sehr aktiv und gibt seine profunde Erfahrung, zum Beispiel in der Entwicklung von Rennanzügen, weiter. Ebenfalls bekleidet der Doyen der alpinen Skisporttrainer noch immer ein Mandat beim Schweizer Skiverband, macht Pisten-Homologationen für den internationalen Skiverband und berät die interne Arbeitsgruppe für Material und Sicherheit der FIS. Jahrzehntelang war er als Betreuer der alpinen Winteruniversiade-Athletinnen und -Athleten aus der Schweiz mit Freude im Einsatz.

Herr Frehsner, welchen Stellenwert hat aus Ihrer Erfahrung eine Universiade im Weltsportgeschehen und welchen in der Schweiz?

Weltweit gesehen, ist eine Winteruniversiade als «kleine Schwester einer Winterolympiade» zu bezeichnen. Sprich: Es ist in Tat und Wahrheit der zweitgrösste Wintersportanlass – von der Anzahl Disziplinen und der weltweiten Teilnehmerschaft her. In der Schweiz ist der Anlass leider noch immer nicht sehr populär, auch in Österreich nicht. Ich würde sagen, der Anlass hat in etwa den gleichen Status wie der Europacup im alpinen Bereich. Auch an der Universiade können FIS-Punkte geholt werden. Man ist bemüht, in Europa den Stellenwert zu erhöhen. In Italien, Frankreich und Spanien wird eine Universiade schon viel höher bewertet als noch vor einigen Jahren.

Was bedeutet die Teilnahme an einer Winteruniversiade für eine Studentin oder einen Studenten?

Ein gutes Beispiel dafür, welchen Karriereschub eine Universiade für einen Schweizer Teilnehmer sein kann, ist unser Nationalmannschafts-Crack Ramon Zenhäusern. Dank seiner Teilnahme an der Winteruniversiade in Spanien schaffte er den Sprung in den Nati-A-Status.

Welche Ausstrahlung hat eine Universiade in teilnehmenden Ländern? Gerade im nahen und fernen Osten werden diese Wettkämpfe ja scheinbar prominent auf grossen TV-Kanälen ausgestrahlt.

In vielen asiatischen Ländern, allen voran China, hat eine Universiade sehr grosse Bedeutung und geniesst ein sehr breites Interesse. Dies hat einen Zusammenhang mit den anderen Bildungsstrukturen, die dort bestehen. Entsprechend werden diese Sportevents dort sehr breit und prominent medial begleitet. Es ist daher zu erwarten, dass viele Medienleute aus den asiatischen Ländern in die Zentralschweiz anreisen werden.

Und wie sieht es in Osteuropa oder Übersee aus?

Eine Universiade hat in den osteuropäischen Staaten ebenfalls einen sehr hohen Stellenwert, da damit auch Stipendien und andere Unterstützungsgelder zusammenhängen. Zum Beispiel erinnere ich mich, dass die russischen Universiade-Sieger jeweils ein Stipendium plus sogar eine Wohnung auf Lebzeiten geschenkt bekamen. Solche Anreize begründen auch die grossen Teilnehmerzahlen solcher Länder an Universiaden. Sie sind dort wirkliche Sprungbretter. Auch in den USA gewährt eine Universiade-Goldmedaille ein Gratis-Studium. In Amerika wird zum Beispiel auch jedes Rennen der Universiade eine ganze Stunde lang am TV übertragen. Auch in Kanada hat der Hochschulsport einen sehr hohen Stellenwert inne.

Sie kennen den Stoos als Austragungsort vergangener Skisport-Events gut. Wie schätzen Sie die Kompetenz der Organisation auf dem Stoos ein?

Da habe ich keine Bedenken. Der OK-Präsident, alt Ständerat Peter Föhn, darf auf eine sehr erfahrene Rennorganisationstruppe mit Pistenchef Ueli Pfyl und vielen anderen «alten Hasen» zurückgreifen. Stoos hat als Austragungsort grösserer Events schon mehrfach bewiesen, dass sie das sehr gut können. Ich denke da zum Beispiel zurück an die Schweizer Meisterschaften vor einigen Jahren, die die Stöösler bravourös organisiert haben. Auch die Leute der Stoosbahnen sind sehr flexibel und zuvorkommend. Schade, kann man wegen des Verschiebungstermins der Universiade Anfang Dezember keine Einzelrennen und Speeddisziplinen am Klingenstock wagen. Das wäre sehr schön gewesen für den Ort, und die Franz-Heinzer-Piste wäre dafür grossartig gewesen.

Was meinen Sie zu St. Moritz als Ersatz-Austragungsort der restlichen alpinen Rennen, die nicht auf dem Stoos ausgetragen werden können?

Das ist die einfachste und beste Lösung, da bereits Welt- und Europacuprennen dort stattfinden im Vorfeld der Winteruniversiade. Das ist entsprechend auch eine sehr vernünftige Lösung.

Werden Sie selbst auch vor Ort sein an den alpinen Rennen der Universiade?

Bei den alpinen Rennen werde ich sicher dabei sein mit dem Schweizer Team. Ich war schon mehr als zehn Mal dabei, zum Beispiel in Russland, China, Kasachstan, Italien, Spanien oder Bulgarien.

Was erwarten Sie vom Event?

Zuerst möchte ich sagen, dass ich es grossartig finde, dass man einen solchen Anlass in der Schweiz durchführt, obwohl die Bekanntheit nicht gegeben ist. Ich stehe voll dahinter. Diese Austragung einer Winteruniversiade wird ein super Input sein und ein Bewusstsein in der Schweiz wecken, wie wichtig die Förderung des Spitzensportes im Zusammenhang mit dem Studium ist. Wenn in der Zentralschweiz ein paar gute Schweizerinnen und Schweizer starten, wird man für diesen Zweck gute Publicity machen, und das wäre sehr wichtig. (brb)

 

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