Die Stöösler Skirennfahrerin Juliana Suter baut ihr Knie in einer Klinik in Rheinfelden wieder auf. Bild: PD

Die Stöösler Skirennfahrerin Juliana Suter kämpft sich von ihrer ersten grossen Verletzung zurück.

Interview: Laura Inderbitzin, Bote der Urschweiz

Kurz vor dem Ziel verliert Juliana Suter die Kontrolle, fliegt durch die Luft, überschlägt sich und stürzt ins Ziel von St. Anton: Bei der Weltcupabfahrt vor rund drei Monaten verletzte sich die 22-jährige Stööslerin schwer und zog sich einen Kreuzbandriss sowie eine Zerrung des Innenbands zu. So bereitet sie sich auf die neue Saison vor.

Gleich nach Ihrem Sturz wurden Sie Anfang Januar operiert. Haben Sie noch Schmerzen?

Juliana Suter: Nein, es geht mir sehr gut. Natürlich ist mein Knie noch nicht wieder voll gesund, es blockiert manchmal ein wenig. Am Morgen gleich nach dem Aufstehen fühle ich mich ein bisschen wie eine alte Frau (lacht).

Sind Sie aber grundsätzlich zufrieden mit dem Heilungsverlauf?

Ja, sehr. Ich trainiere seit Anfang Januar von Montag bis Freitag immer in der Klinik Altius in Rheinfelden. Dort habe ich jeden Tag Physiotherapie und Training. Am Anfang konnte ich das Knie natürlich praktisch gar nicht belasten und machte primär Rumpf-Übungen. Doch inzwischen geht es etwa alle zwei Wochen einen Schritt vorwärts. Im Moment mache ich viele Kräftigungsübungen fürs Knie, zum Beispiel Kniebeugen. Der nächste Schritt ist dann, wieder mit Joggen und kleinen Sprüngen zu beginnen.

Läuft das bisher alles gut?

Vor zwei Wochen ging es einmal – das einzige Mal – gar nicht gut. Da war mein Knie wohl überlastet und ich konnte drei Tage fast nicht mehr laufen. Aber seitdem geht es steil aufwärts, ich bin zufrieden.

Wann dürfen Sie wieder auf die Piste?

Das dauert schon noch ein bisschen. Ich bleibe jetzt noch etwa zwei Monate in der Klinik, hier werde ich super betreut. Mit Elena Stoffel und Reto Schmidiger sind zwei andere Skirennfahrer auch oft hier: Wir essen und trainieren manchmal zusammen, so ist es recht gesellig. Etwa Anfang Juni sollte ich dann so weit sein, um mich mit meinem Konditionstrainer spezifisch auf die Skisaison vorbereiten zu können. Und Ende Juli kann ich wieder auf die Ski.

Gemeinsam mit Ihren Swiss-Ski-Kollegen?

Genau, mit dem Team. Das freut mich, denn vom Zeitpunkt her geht das ideal auf, auch sie starten dann wieder mit dem Gletschertraining. Natürlich werde ich mir etwas mehr Zeit nehmen müssen, wenn ich das erste Mal seit sechs Monaten wieder auf den Ski stehe. Dann werde ich zuerst mehr für mich trainieren, mache einfache Schwünge und Abfahrten. Aber ich hoffe, dass nach einigen Tagen alles wieder normal anläuft.

Dann steht einem normalen Saisonstart nichts im Weg?

Nein, das sollte alles klappen. So gesehen, habe ich mich wenigstens zu einem «guten» Zeitpunkt verletzt. Ich will nächste Saison wieder im Weltcup angreifen und in die Top 30 fahren.

Haben Sie mental nie mit Ihrer Verletzung gehadert?

Es hielt sich in Grenzen. Natürlich habe ich mich geärgert. Aber ich merkte, schon als ich meinen Sturz das erste Mal gesehen habe – das war sofort danach, ich habe ihn gleich in der Sanität neben dem Zielraum auf dem Handy angeschaut –, dass das noch viel schlimmer hätte ausgehen können.

Wissen Sie noch, wie es genau zum groben Sturz kam?

Ich war zu spät dran vor der letzten «Banane». Ich war schnell und fuhr eine zu tiefe Linie – fast hätte ich beim letzten Tor ja noch eingefädelt – und konnte deshalb den letzten Sprung nicht mehr kontrollieren. Es ist blöd gegangen. Aber es ist meine erste grosse Verletzung, das macht es einfacher für mich. Ich nehme jetzt alles «vorzue».

Sie klingen optimistisch. Haben Sie auch viel Unterstützung erhalten?

Ja, sehr. Primär von meiner Familie, Jasmina (ihre ältere Schwester, die ebenfalls im Weltcup fährt; Anm. d. Red.) hat den Sturz ja sogar live aus der ersten Reihe am Rennen gesehen. Vor allem als ich noch Krücken hatte und sehr eingeschränkt war, halfen mir meine Eltern und Geschwister sehr. Auch vom Team erhielt ich Unterstützung. Und bei einer Kollegin, die in Basel studiert, kann ich während meiner Reha in Rheinfelden jetzt jeweils übernachten. Es ist schön, zu sehen, wie viele Menschen für mich da sind und dass ich nicht alleine bin.

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