Wendy Holdener ist gefragt. Hier steht sie den Medien an der Materialausgabe von Swiss-Ski im September Red und Antwort. Bild: Keystone, Michael Buholzer

Corona und Trennung vom Trainer: Die letzte Saison war für Wendy Holdener (27) nicht einfach. Jetzt greift die Unteribergerin wieder an.

Mit Wendy Holdener sprach Robert Betschart, Bote der Urschweiz

In etwas mehr als zwei Wochen startet in Sölden bereits die neue Saison. Wie fühlen Sie sich?

Sehr gut. Ich freue mich auf den Saisonstart. Gleichzeitig bin ich aber froh, dass noch das eine oder andere Training auf Schnee bevorsteht. Sölden kommt immer etwas früh.

Sie erkrankten im März am Coronavirus und verpassten das Weltcupfinale in der Lenzerheide. Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich wieder 100 Prozent fit gefühlt haben?

Ich habe nach der Isolation noch einige Zeit im Training Nachwirkungen verspürt. Beispielsweise fiel mir unter Anstrengung das Atmen etwas schwerer, und ich war schneller müde als normal. Aber spätestens nach den Ferien im Mai war das weg. Jetzt fühle ich mich wieder topfit.

Aufgrund der Corona-Situation konnte das gesamte Team auch diesen Sommer nicht nach Argentinien zum Schneetraining reisen und trainierte auf den Gletschern von Saas-Fee und Zermatt. Ein Nachteil?

Ich persönlich war im Sommer immer gerne für einen Monat in Argentinien. Es ist dort richtig Winter, und der Fokus liegt voll und ganz auf dem Training. Es gibt keine Ablenkung durch Presse- oder andere Termine. Allerdings schätze ich es auch, in der Schweiz zu sein. Wir hatten in diesem Jahr auf den Gletschern sehr gute Bedingungen. Zudem konnte ich dadurch mehr Zeit mit meiner Familie in Unteriberg verbringen.

Sie trainieren nach der Trennung von ihrem österreichischen Trainer Klaus Mayrhofer im vergangenen Winter wieder mit dem Team. Wie ist das für Sie?

Ich habe auch die letzten Jahre im Team trainiert, jedoch mit einem hauptverantwortlichen Trainer, dies hat letztes Jahr nicht ganz geklappt. Ich wollte wieder meine persönliche Ruhe finden. Das habe ich mit dem Entscheid geschafft und bin überzeugt, dass dies der richtige Weg ist. Wir haben innerhalb des Teams sehr gute Trainer.

Nach einem Zwischentief zeigten Sie in der vergangenen Saison insbesondere nach der WM einige sehr starke Slalom-Läufe. Trotzdem waren auch dort wieder zwei Fahrerinnen schneller als Sie. Wie ist das für Sie, wenn es am Ende trotz nahezu perfekter Fahrt nicht für den Sieg reicht?

Das Niveau im Slalom ist zurzeit unglaublich hoch. Das ist einerseits cool, denn dadurch pushen wir uns gegenseitig zu immer besseren Leistungen. Andererseits ist es logisch, dass man lieber gewinnen würde, anstatt Dritte oder Vierte zu werden. Für mich ist aber nicht nur das Resultat entscheidend, ob ich mit meinem Rennen zufrieden bin oder nicht. Es sind verschiedene Faktoren, die mitspielen.

Die wären?

Wenn ich zum Beispiel weiss, dass ich alles probiert habe, und mir ein starker Lauf gelungen ist, dann bin ich im Ziel glücklich und mit mir im Reinen. Es gab allerdings auch schon Rennen, wo ich mich über einen zweiten Platz ärgerte, weil ich wusste, dass dieses Mal der Sieg dringelegen wäre.

Sie haben mal gesagt, dass Sie eher ein Mensch seien, der viel nachdenke. Ist das in Bezug auf den Skisport aus Ihrer Sicht ein Vorteil oder ein Nachteil?

Gute Frage. Vielleicht hat es etwas von beidem. Ich denke, dass mich genau diese Eigenschaft dahin gebracht hat, wo ich zurzeit stehe. Ich konnte dadurch so viele Erfolge feiern. Es hat also definitiv seine gute Seiten. Allerdings ist es manchmal auch wichtig, dass man nicht alles hinterfragt. Ich glaube, dass ich diese Balance mittlerweile gefunden habe.

Mit den Olympischen Spielen in Peking im Februar steht eine Saison mit einem weiteren Grossanlass bevor. Ist das Ihr grosses Ziel?

Natürlich ist Olympia bereits präsent, und es löst in mir viel positive Energie aus, wenn ich daran denke. Gleichzeitig will ich mich auf die nächsten Rennen konzentrieren und dort gute Resultate erzielen. Ich gehe es Schritt für Schritt an. Aber natürlich will ich an den Olympischen Spielen voll parat sein.

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