Olympiasiegerin Nina Christen, Immensee. Bild Keystone

(sda) Nina Christen ist Olympiasiegerin im Dreistellungsmatch mit dem Kleinkalibergewehr über 50 Meter. Die Weltnummer 1 setzt sich nach einem Steigerungslauf klar durch und holt als erste Schweizer Schützin Gold im Zeichen der fünf Ringe.

Wenn es eng wird, legt die 27-jährige Nidwaldnerin, die in Immensee zu Hause ist, den Schalter um und steigert sich nochmals. Diese Qualität stellte Nina Christen im Final einmal mehr unter Beweis. Die letzten fünf entscheidenden Treffer stehend waren alles Mouchen, mit 10,2 Punkten und mehr. Die Russinnen Julia Sykowa als überragende Siegerin der Qualifikation und Julia Karimowa hatten keine Chance. Vor den letzten fünf Schuss lag die Schweizerin noch 1,8 Punkte im Hintertreffen, den Sieg feierte sie diskussionslos mit 2,0 Zählern Vorsprung.

Nina Christen ist die erste Schweizer Schützin, die Olympia-Gold gewinnt und eine Durststrecke von 73 Jahren beendet. Letztmals ertönte die Schweizer Nationalhymne im Schiessstand 1948 für den Berner Emil Grünig – ebenfalls im Dreistellungsmatch, aber damals über 300 m.

Vor Wochenfrist hatte Nina Christen am Ursprung der bisher so erfolgreichen Schweizer Spiele in Tokio gestanden. Die Immenseerin gewann mit dem Luftgewehr Bronze über 10 m und damit die erste von bislang elf Schweizer Medaillen.

Gold war trotz des Weltnummer-1-Status kein Erfolg mit Ansage. Der überraschende Gewinn der Medaille in ihrer tendenziell schwächeren Disziplin hatte sie eher nervös als selbstsicher gemacht. Dies zeigte sich auch in einem schwachen Start in den Wettkampf mit dem Kleinkalibergewehr. Kniend geriet Christen zunächst rund 5 Punkte ins Hintertreffen, liegend machte sie nicht viele Positionen gut – aber stehend reagierte sie mit einer Weltklasse-Leistung. 392 Zähler auf 40 Schuss sind schlicht überragend. Bereits in der Qualifikation drehte sie somit den Schalter im entscheidenden Moment um und schaffte als Sechste doch noch den Finaleinzug der Top 8.

Christen legt an Olympischen Spielen einen Steigerungslauf hin. 2016 gewann sie im Dreistellungsmatch mit Platz 6 ein Diplom, das im Schatten von Heidi Diethelm Gerbers Coup kaum einer wahrnahm. Nach Bronze mit dem Luftgewehr holte sie Gold, das einen Zusammenhang mit Rio hat. In Brasilien erhielt die junge Frau den Beweis, dass sie zur Weltspitze gehört. Dieser Input bestärkte sie auf dem Weg, alles dem Profisport unterzuordnen, um die letzten entscheidenden Justierungen vorzunehmen.

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