Max Heinzer und die Sprinterin Mujinga Kambundji führen am Freitag die Schweizer Delegation bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio als Fahnenträger an. Bild Keystone

Erstmals ein Mann und eine Frau als Fahnenträger nominiert

(sda) Der Fechter Max Heinzer und die Sprinterin Mujinga Kambundji führen am Freitag die Schweizer Delegation bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio als Fahnenträger an. Eine besondere Ehre an besonderen Spielen.

Ralph Stöckli, der Chef de Mission von Swiss Olympic, nominierte die beiden Athleten als Nachfolger von Giulia Steingruber, der 2016 in Rio de Janeiro die Ehre zuteil gekommen war. «Beide werden Botschafter für den ganzen Schweizer Sport sein», so Stöckli.

Erstmals wird je ein Mann und eine Frau die einzelnen Delegationen an der Eröffnungsfeier anführen. Es ist ein weiteres Indiz des Internationalen Olympischen Komitees dafür, die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. An den Spielen in Tokio werden erstmals in der olympischen Geschichte nahezu gleich viele weibliche wie männliche Teilnehmer vertreten sein.

Ein Vertreter der kleinen Sportarten…

Für Heinzer kam die Nomination als Fahnenträger überraschend, endeten doch die beiden bisherigen Olympia-Teilnahmen für ihn mit leisen Enttäuschungen. Für Stöckli ist der 34-Jährige aus dem Kanton Schwyz aber ein «akribischer Arbeiter, der den olympischen Traum in seiner DNA trägt». Heinzer selbst sieht die Nomination als Würdigung seiner internationalen Erfolge. An Welt- und Europameisterschaften gewann er mehr als ein Dutzend Medaillen, 2018 krönte er sich mit dem Schweizer Degen-Team zum Weltmeister.

«Es ist eine riesengrosse Ehre für mich, aber auch für den Schweizer Fechtsport und alle übrigen Randsportarten», sagte Heinzer. Sie alle hätten nur alle vier Jahre dieses Schaufenster Olympia, um sich zu präsentieren. Den Freitag und der Beginn der um ein Jahr verschobenen Spiele kann er kaum erwarten. «Es ist ein besonderer und auch wichtiger Moment für alle Athleten.» Für viele von ihnen war die Zeit seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie von grosser Unsicherheit geprägt.

… und das Gesicht einer neuen Generation

Mujinga Kambundji erfuhr im Garten ihrer Eltern von der ehrenvollen Aufgabe, weshalb sich die 29-jährige Bernerin früher als geplant auf den Weg nach Japan machte. «Ich habe mir im Vorfeld gar nie Gedanken darüber gemacht, dass ich das sein könnte», sagte Kambundji. Für Stöckli ist die schnellste Schweizerin aller Zeiten «das Gesicht einer neuen Generation in der Leichtathletik». Einer Generation, die sehr erfrischend und sehr vielfältig daherkomme.

Kambundji gehört seit Jahren zu den Aushängeschildern von Swiss Athletics. Für die Schweizer Rekordhalterin über 100 m, 200 m und in der Staffel ist es ebenfalls die dritte Olympia-Teilnahme nach 2012 und 2016. Das sportlich wertvollste Resultat gelang ihr 2019, als sie an den Weltmeisterschaften in Doha über 200 m Bronze gewann. An der Hallen-WM 2018 in Birmingham holte sie über 60 m in einem starken Feld ebenfalls Bronze.

In Tokio wird Kambundji über 100 m, wo sie eine Bestzeit von 10,95 Sekunden aufweist, und über 200 m um einen Platz im Final kämpfen. Auch mit der Staffel bietet sich ihr die Chance auf ein Top-Ergebnis, klassierte sich das Schweizer Quartett an der WM 2019 doch im ausgezeichneten 4. Rang. Bevor es für sie aber in gut einer Woche losgeht, wird Kambundji ausserhalb der Olympiastadt ein Trainingslager absolvieren.

Kleine Delegationen, keine Zuschauer

Die Schweizer Delegation wird am Freitag als 85. von 204 Nationen ins Olympiastadion in Tokio einlaufen. Von den 117 von Swiss Olympic selektionierten Athleten werden aufgrund individueller Wettkampfpläne, grosser Distanzen – die Radfahrer und Mountainbiker logieren rund 100 Kilometer ausserhalb Tokios – und der Tatsache, dass viele Athleten noch nicht in der Olympiastadt gereist sind, nur ca. 20 zugegen sein. Wegen der Coronavirus-Pandemie sind mit Ausnahme einiger Funktionäre und Politiker keine Zuschauer zur Eröffnungsfeier zugelassen.

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