Michael Vogt wurde in St. Moritz Fünfter. Bild PD

(sda) Die Schweizer Bobfahrer enttäuschen beim Heim-Weltcup in St. Moritz nicht, doch die deutsche Übermacht ist für Michael Vogt (5.) und Simon Friedli (8.) erwartungsgemäss zu gross.

Den Schweizern gelang auf dem Olympia-Bobrun kein absolutes Spitzenresultat, zufrieden zeigten sich mit ihrer Leistung aber beide Piloten. «Der 5. Platz ist sicher ein starkes Ergebnis», hielt Michael Vogt fest. Vor einem Jahr war der kurz nach Weihnachten 23-jährig gewordene Schwyzer als 18. regelrecht abgestürzt. Nun fehlten am Ende 23 Hundertstel zum Podest.

Dieses vergab Vogt vor allem im ersten Durchgang. «Wir haben etwas gepokert und vielleicht zu breite Kufen montiert», erklärte er. «Wir spekulierten darauf, dass es für den zweiten Lauf noch etwas wärmer wird.» Das ging im Grundsatz auch auf, doch verloren die Schweizer am Morgen im Schatten zu viel Zeit. Mit der drittbesten Laufzeit gelang lediglich noch die Verbesserung vom 6. in den 5. Rang.

Simon Friedli startete erstmals überhaupt in St. Moritz im Weltcup und zeigte sich mit dem 8. Platz «definitiv zufrieden». Auf der Heimbahn wolle man, auch wenn die Zuschauer fehlten, natürlich schon etwas zeigen. «Wir haben Vollgas gegeben.»

Vollgas reicht aus Schweizer Sicht aber derzeit nicht, um an den überragenden Deutschen vorbeizukommen, die in dieser Saison bisher jedes Rennen gewonnen haben. Der Weltcup-Rekordsieger Francesco Friedrich triumphierte mit fast einer halben Sekunde Vorsprung auf den Vorjahresgewinner in St. Moritz, Johannes Lochner. Dahinter verhinderte der Kanadier Justin Kripps, in Pyeongchang 2018 ex-aequo mit Friedrich Olympiasieger, immerhin den dreifachen deutschen Triumph. Zwischen Kripps und Vogt schob sich noch der deutsche Junior Hans-Peter Hannighofer, der nächste Woche auf der gleichen Bahn wohl mit Vogt um den WM-Titel bei den Junioren kämpfen wird.

Deutsche Überlegenheit beim Material und Start

Die Überlegenheit der Deutschen hat im Bobsport Tradition, doch aktuell ist sie noch frappanter als auch schon. «Vor allem die Abstände sind extrem», stellt Michael Vogt mit einem leichten Kopfschütteln fest. Er verlor in zwei Läufen 1,15 Sekunden auf Friedrich und sieben Zehntel auf Lochner. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sind die Deutschen am Start klar die schnellsten. Vogt/Michel sowie Friedli und Andreas Haas durchmassen die ersten 50 Meter je zweimal in 5,14 Sekunden. Das war die fünft- respektive sechstbeste Zeit, also beileibe nicht schlecht. Doch zum Vergleich: Friedrich startete in 5,04 und 5,02; eine kleine Weltreise, die sich auf die gesamte Fahrt auswirkt.

Zudem scheinen die Deutschen auch beim Material deutliche Vorteile zu haben. «Da haben sie einen rechten Vorsprung», sagt Simon Friedli. Da wirke sich halt der ungleich grössere finanzielle und wissenschaftliche Aufwand, der in der Bobnation Nummer 1 betrieben werde, schon aus. Während die Schweizer athletisch noch Verbesserungspotenzial sehen, dürfte der Nachteil beim Material bis Olympia 2022 nicht mehr wettzumachen sein.

So kämpfen die anderen Nationen aktuell hinter Friedrich und Lochner nur um die Plätze 3 bis 10. Der Abstand zwischen Kripps und dem zehntplatzierten Briten Brad Hall ist deutlich geringer als der Abstand von Kripps zur Spitze. Das dürfte auch im Vierer am Sonntag nicht anders sein.

 

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